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"Sie findet ihre Schl?ssel nicht

Sie trinkt Kaffee. Die Wohnung ist nicht aufger?umt. Sie sucht ihre Schl?ssel. Sie liegen unter der gelben Mappe in der K?che.
Sie schneidet sich ein St?ck Schwarzbrot ab und beh?lt es im Mund, w?hrend sie die Schuhe anzieht und die Wohnung absperrt.
Sie sitzt im Caf?, bestellt eine Melange und ein Wasser mit einer Scheibe Zitrone.
Ihre H?nde sind schlank und wei?, ihre Haare sind dick und schwarz. Der Kellner liebt sie.
Sein Zimmer ist aufger?umt. Seine Schl?ssel h?ngen an einem Haken.
Er bringt ihr die Melange und das Wasser und die Scheibe Zitrone.
Sie sagt: "Danke." Sie bezahlt sofort. Das macht sie immer. Mit der roten Geldtasche in der Hand, die ihr so sehr geh?rt, wartet sie, bis er die Rechnung fertig hat. Er ist schlecht im Kopfrechnen.
Sie l?chelt und gibt Trinkgeld.
Der Kellner liebt sie.
Der Kellner ist sch?chtern.
Jeden Tag besucht sie das Caf?. Jeden Tag m?chte er sie ansprechen.
Heute sitzt sie nicht allein am Tisch. Ihr gegen?ber hat eine Frau Platz genommen. Mitte Vierzig. Sie trinkt Orangensaft. Frischgepresst und ohne Fruchtfleisch. "Fruchtfleisch klebt an den Z?hnen." Sagt sie. Warum sagt sie das?
Diese Frau Mitte Vierzig liebt den Kellner.
Der Kellner ist Mitte Zwanzig.
Auch diese Frau besucht jeden Tag das Caf?. Sie nickt der Frau mit den schlanken Fingern und den dicken Haaren zu und wei?, dass der Kellner sie liebt.
Er hat es ihr geschrieben in einem Antwortbrief auf einen Liebesbrief.
Er schrieb: "Ich liebe die Dame mit der roten Geldtasche, die manchmal Ihnen gegen?ber sitzt."
Die Dame mit der roten Geldtasche liebt niemanden. Sie sucht Arbeit und keine Liebe.
Der Kellner liebt die Dame mit der roten Geldtasche.
Die Frau mit dem Orangensaft liebt den Kellner..
Die Dame mit der roten Geldtasche findet ihre Schl?ssel nicht."

PAULA K?HLMEIER, geboren 1982 in Bregenz, Tochter des Schriftstellerehepaares Monika Helfer und Michael K?hlmeier, verungl?ckte im Sommer 2003 bei einer Wanderung zur Burgruine Alt-Ems t?dlich. Am Samstag, den 5. Februar erschien im Zsolnay-Verlag unter dem Titel MARAMBA ... ihre nachgelassene Prosa ...

S. A5 Der Standard Album, Samstag, 5. Februar 2005
7.2.05 16:07
 



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