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"Das Kaffeehaus San Marco ist Ausgangspunkt und erstes Kapitel einer Reise durch Orte und Zeiten, die [Claudio] Magris in seinem Buch "Microcosmi" beschrieben hat: das Haus, seine Geschichte, die Besitzer, die G?ste, deren Schrullen, Weltanschauungen, Liebensw?rdigkeiten. Die Theke aus schwarzem, intarsiengeschm?cktem Holz, die m?chtigen Spiegel, der vergoldete Zierrat, die breiten vergoldeten Kaffeebl?tter, die gro?en Medaillons an den W?nden umrahmen; die Marmortischchen, deren gusseisener Fu? in einen auf L?wenpranken ruhenden Sockel m?ndet, die L-Form des Caf?s (die man auch in den Wiener Kaffeeh?usern oft findet, im Eiles, im Landtmann, im Museum, im Sperl, im Griensteidl), die im Grunde blo? die Bewegungen des Pferdchens auf dem Schachbrett zul?sst, die Schachspieler selbst, die Zeitungsleser, die Studenten, die Professoren, die literarischen Lokalber?hmtheiten, Kapit?ne von ?berseedampfern, Touristen, Demonstranten, Besucher der Synagoge um die Ecke, heterogenes Publikum.
Er?ffnet hat das Haus am 3. J?nner 1914 - [...]"

Egyd Gst?ttner , Svevo war schneller, in: Spektrum/Die Presse, S. VIII, 29. J?nner 2005

29.1.05 20:04


ROSARIO FERR? :

"In meinem Fall ist das Schreiben ein zugleich konstruktiver und destruktiver Impuls; eine M?glichkeit zum Wachsen und Ver?ndern. Ich schreibe, um mich Wort f?r Wort aufzubauen; um meinen Horror vor dem Nichtexistieren zu zerstreuen, als menschliches Gesicht, das spricht. ... Dieses konstruktive Bed?rfnis, aus dem heraus ich schreibe, h?ngt eng mit meinem Liebesbed?rfnis zusammen: ich schreibe, um mich neu zu erfinden und die Welt neu zu erfinden, um mich davon zu ?berzeugen, da? alles, was ich liebe, ewig ist. Aber mein Impuls zu schreiben, ist auch ein destruktiver Impuls, ein Versuch, mich und die Welt zu vernichten. Das Wort ist, wie die Natur selbst, unendlich weise und erkennt, wann es das ?berholte und Zersetzte niederrei?en mu?, um das Leben auf neuen Fundamenten aufzubauen."

aus: AMORica Latina, Mein Kontinent - mein K?rper. Erotische Texte lateinamerikanischer Autorinnen, hg. und ?bersetzt von Erna Pfeifer, Wiener Frauenverlag 1991, S. 82f
26.11.04 09:18


am do, den 18. juni 1925 schrieb VIRGINIA WOOLF in ihr tagebuch:

"No, Lytton (Strachey) doesn?t like Mrs Dalloway, &, whats odd, I like him all better for saying so, & don?t much mind. What he says is that there is a discordancy between the ornament (extremely beautiful) & what happens (rather ordinary - or unimportant). This caused he thinks by some discrepancy in Clarissa herself; he thinks she is disagreeable & limited, but that I alternately laugh at her, & cover her, very remarkably, with myself. So that I think as a whole, the book does not ring solid; yet, he says, it is a whole; & he says sometimes the writing is of extreme beauty. What can one call it but genius? he said! Coming when, one never can tell. Fuller of genius, he said than anything I had done. Perhaps, he said, you have not yet mastered your method. You should take something wilder & more fantastic, a frame work that admits of anything, like Tristram Shandy. But then I should lose touch with emotions, I said. Yes, he agreed, there must be reality for you to start from. Heaven knows how you?re to do it. But he thought me at the beginning, not at the end. And he said the C.R. was divine, a classic; Mrs D. being, I fear, a flawed stone. This is very personal, he said & old fashioned perhaps; yet I think there is some truth in it. For I remember the night at Rodmell when I decided to give it up, because I found Clarissa in some way tinselly. Then I invented her memories. But I think some distase for her persisted. Yes, again, that was true to my feeling for Kitty (anmerkung: Katherine (Kitty) Maxse, n?e Lushington (1867-1922), a figure of considerable social consequence in VW?s Kensington youth, had served as a model for Clarissa Dalloway.), & one must dislike people in art without its mattering, unless indeed it is true that certain characters detract from the importance of what happens to them. None of this hurts me, or depresses me. Its odd that when Clive (Bell) & others (several of them), say it is a masterpiece, I am not much exalted; when Lytton picks holes, I get back into my working fighting mood, which is natural to me. I don?t see myself a success. I like the sense of effort better. The sales collapsed completely for 3 days; now a little dribble begins again. I shall be more that pleased if we sell 1500. Its now 1250." s. 32

The Diary of VW, Volume 3 1925-30, Penguin Books, London 1982


23.9.04 08:41


in der mitte des 22. jahrhunderts soll eine protagonistin PAUL AUSTERs eine zeitreise unternehmen.

"[...] Im Bewusstsein der Brisanz und potentieller Risiken solcher Reisen erlaugt die Regierung jedem Menschen nur eine einzige in seinem ganzen Leben. Nicht als Vergn?gungsreise in andere historische Epochen, sondern als Initiationsritus: danach gilt man als erwachsen. Das geschieht, wenn man zwanzig wird. Man wird mit einer Feier geehrt, und am Abend dieses Tages wird man in die Vergangenheit geschickt und darf nun ein Jahr lang um die Welt reisen und seine Vorfahren beobachten. Man beginnt zweihundert Jahre vor seiner Geburt, also vor rund sieben Generationen, und arbeitet sich dann langsam bis zur Gegenwart zur?ck. Zweck der Reise ist es, Demut und Mitgef?hl und Toleranz f?r seine Mitmenschen zu erlernen. Die Hunderte von Ahnen, denen man auf der Reise begegnet, f?hren einem das gesamte Spektrum menschlicher M?glichkeiten vor Augen, jede Losnummer in der genetischen Lotterie wird gezogen. Der Reisende erkennt, dass er aus einem unermesslichen Schmelztiegel von Widerspr?chen herstammt und dass zu seinen Vorfahren Bettler und Narren, Heilige und Helden, Kr?ppel und Sch?nheiten, sanfte Seelen und Gewaltverbrecher, Altruisten und Diebe z?hlen. Wer in einer so kurzen Zeitspanne mit so vielen Leben konfrontiert wird, gewinnt ein neues Bild von sich selbst und seinem Platz in der Welt. Man begreift sich selbst einerseits als Teil von etwas, das gr??er ist als man selbst, andererseits als klar abgegrenztes Individuum, als ein noch nie dagewesenes Lebewesen mit einer eigenen, unersetzlichen Zukunft. [...]" s. 150

Paul Auster, Nacht des Orakels, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2004

21.9.04 16:09


"[...] Was ist das eigentliche Geheimnis dieses Umberto Eco? Eco ist, mit Michel Foucault zu sprechen, ein fanastique de biblioth?que, ein Bibliothekenphantast. Das Wort hat Foucault auf Gustave Flaubert gepr?gt, der seine B?cher [...] mit einer solchen Gelehrsamkeit gef?llt hat, dass das "Sprudeln delierender Einbildungskraft" nichts war als geduldig zu Papier gebrachtes Wissen. Der Bibliotheksphantast liest, nur um zu schreiben, hunderte von B?chern. W?hrend Karl Marx in seinem revolution?ren Hochmut davon sprach, er habe all die B?cher des British Museum verschlungen, um sie auf den "Misthaufen der Geschichte" zu werfen, verschlingt der Bibliotheksphantast all diese B?cher, um sie in langen Wortkaskaden wieder aufs Papier zu bringen.
Der Bibliotheksphantast nistet sich aber nicht eigentlich in der Bibliothek ein, wenn er auch T?rme von B?chern um sich errichtet (Eco teilt irgendwo mit, dass seine Bibliothek 40.000 B?cher umfasst). Der Bibliotheksphantast nistet sich im Schreiben ein. Der mittelalterliche Klostergelehrte, dem sich Eco so nahe wei?, obgleich ihn eine Welt von ihm trennt, der lesende M?nch lebte in seiner Bibliothek und in seinen Texten wie im Paradies. Er war der tiefen ?berzeugung, dass aller Sinn, alles sinnvoll Gesagte in den Schriften ruhte, die ihm zur Hand waren. Durch Lesen drang er immer tiefer in dieses vollendete Wissen ein. [...]"

Manfred Schneider (Literatur- und Medienwissenschaftler an der Universit?t Bochum) in: Literaturen 09/04, S. 18f
8.9.04 22:49


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